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event:

2017 Winter-Tagung | Haus der Photographie, Deichtorhallen

date:

25-26.11.2017

city:

Hamburg

address:

Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstraße 1, 20095 Hamburg

2017 Winter-Tagung | Haus der Photographie, Deichtorhallen

Hier finden Sie das Programm der Tagung und Kurzbeschreibungen der Präsentationen. Die Präsentationen finden regulär in deutscher Sprache statt. Für alle, die nicht anwesend sein können, gibt es den Livestream unserer Facebook-Seite und nach der Tagung ausgewählte Mitschnitte im Livestream-Archiv am Ende dieses Postes.

Programm

Samstag, 25.11.

10.00 - 10.15 Begrüßung durch Ingo Taubhorn, Präsident der DFA

10.15 - 11.00 Meinrad Schade "Unresolved - Israel und Palästina 2013 bis 2017"

11.00 - 11.45 Amin El Dib "Von der Brüchigkeit des Seins - Schadensbilder aus der Skulpturhalle Basel"

11.45 - 12.30 Loredana Nemes

12.30 - 13.30 Mittagspause

13.30 - 14.15 Claudia Fährenkemper "Armor"

14.15 - 15.00 PD Dr. Andrea Gnam "Die Knochen sehen – Blinde in der Fotografie, ein neues Bewusstsein?"

15.00 - 15.30 Kaffeepause

15.30 - 16.15 Knut Wolfgang Maron "Ein Leben"

16.15 - 17.00 Ann-Christine Woehrl "Witches in Exile, Un/sichtbar (In/visible), Shaded Memories"

17.00 - 18.00 Führung von Ingo Taubhorn durch die Ausstellungen im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg: Alec Soth "Gathered Leaves" , Peter Bialobrzeski "Die Zweite Heimat"

18.15 - 21.00 Portfoliowalk mit den Fotograf/Innen: Theresa Albers, Katrin Bauer, Daniela Friebel, Michael Haus, Hengame Hosseini, Irina Kholodna, Lars Klingenberg, Andreas Kremer, Stefanie Minzenmay, Toms Mutulis, Ingmar Nolting, Arne Piepke, Willy Puchner, Kalinka Schuett, Max Slobodda, Nils Stelte, Maria Sturm, Nora Ströbel, Anna Tiessen, Doro Zinn

Sonntag, 26.11.

10.00 - 10.15 Begrüßung durch Ingo Taubhorn, Präsident der DFA

10.15 - 11.00 Gisoo Kim "Stickerei und Fotografie"

11.00 - 11.45 Timo Hoheisel "(In)Visibel"

11.45 - 12.30Prof. Dr. Christoph Schaden, TH Nürnberg "Das andere Schweigen - Zur Rezeptionsgeschichte des epochalen Fotobuchs 'The Silence' von Gilles Peress"

12.30 - 13.30 Mittagspause

13.30 - 14.15 Arwed Messmer "Die (Bild)Perspektive des Staates"

14.15 - 15.00 Andréas Lang "Phantom Geographie - Eine Spurensuche in Zentralafrika"

15.00 - 15.15 Kaffeepause

15.15 - 16.00 Dr. Christiane Stahl "NAUTILUS - Schnecken, Muscheln und andere Mollusken in der Fotografie"

16.00 - 16.45 Andy Heller "CA 94103"

16.45 Ende der Tagung

Kurzbeschreibungen der Präsentationen:

Meinrad Schade | Unresolved - Israel und Palästina 2013 bis 2017

2013 beschloss Meinrad Schade, sein Langzeitprojekt Krieg ohne Krieg in Israel und Palästina weiterzuführen.Sein Hauptanliegen war es, Israel mit all «seinen» kontrollierten Gebieten wahrzunehmen. Es geht also zum Beispiel nicht nur um «unterdrückte Palästinenser» oder um «jüdische Siedler», sondern um ein Staatengebilde, das von einem Konflikt geprägt ist, der auf beiden Seiten seine ganz eigenen Spuren hinterlässt. Faszinierend und gleichzeitig erschreckend an Israel ist gerade, dass die unterschiedlichsten Realitäten auf kleinstem Raum existieren, diese Welten aber nahezu nicht miteinander in Berührung kommen.

Meinrad Schades Anspruch ist es, die verschiedensten Ausprägungen Israels und des israelisch-palästinensischen Konflikts bzw. das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Realitäten zu einem mosaikartigen Bilderspektrum zusammenzuführen. Indem also in seinen Bildern unterschiedliche Situationen, Szenen und Eindrücke aufeinandertreffen, sollen stereotype Deutungsmustern ausser Kraft gesetzt, Betrachter herausgefordert werden. Es ist naheliegend, dass diese Bildstrategie auch Verwirrung stiftet. Gerade das aber entspricht dem Konflikt, der bis heute UNRESOLVED ist.

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© Meinrad Schade

Ann-Christine Woehrl | Witches in Exile • Un/Sichtbar (In/Visible) • Shaded Memories

Die Deutsch-Französin Ann-Christine Woehrl hat Fotografie in Paris gelernt und arbeitete in der Zeit für David C. Turnley, Reza und bei der Agentur Magnum Fotos. Seit 1997 lebt sie als freischaffende Fotografin in München. Der Fokus ihrer dokumentarischen Arbeit liegt auf sozio-kulturellen Themen in Lateinamerika, Afrika und Südostasien und behandelt vor allem die Verletzung von Menschenrechten. Einige ihrer Projekte sind als Bücher veröffentlicht, international ausgestellt und prämiert worden. Ihre drei letzten Arbeiten stellt sie vor.

WITCHES IN EXILE ist eine Arbeit über Frauen im Norden Ghanas, die zu Hexen stigmatisiert und von der Gesellschaft ausgestossen werden und wurde in Berlin, Brasilien, Kanada und Kambodscha ausgestellt und international veröffentlicht. Ihr Langzeitprojekt UN/SICHTBAR (IN/VISIBLE), über Überlebende von Säureangriffen in sechs verschiedenen Ländern wurde im Museum Fünf Kontinente in München, im Museum Natur und Mensch in Freiburg, in der Galerie Fait & Cause in Paris, im Meta House in Phnom Penh und zuletzt in London in der Leyden Gallery zwischen 2014 – 2017 ausgestellt, sowie als Buch bei Edition Lammerhuber veröffentlicht.

Ihr aktuelles Projekt SHADED MEMORIES, eine Spurensuche des Genozids unter den Roten Khmer, wurde vom Auswärtigen Amt unterstützt und war bis September 2017 im Museum Fünf Kontinente in München und im Tuol Sleng Genocide Museum in Phnom Penh zeitgleich ausgestellt und wurde als Buch bei Edition Lammerhuber veröffentlicht.

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© Ann-Christine Woehrl

Andréas Lang | Phantom Geographie - Eine Spurensuche in Zentralafrika

Andréas Lang ist Fotograf eindringlich stiller, mitunter beunruhigender Szenerien. Er interessiert sich in seinen Bildern besonders für die verborgene Geschichte eines Ortes, sei sie historischer, mythologischer oder persönlicher Natur. Er nennt es Visuelle Archäologie und es enstehen dabei Bilder die verschiedene Schichten offen legen und sich in einer Art Schwebezustand befinden, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, real und imaginär.

Seit 2011 arbeitet er an einem Langzeitprojekt über (Post-) Kolonialismus. Auslöser war ein Dachbodenfund von Fotografien und Expeditionsbericht seines Urgroßvaters, welcher vor ca. 100 Jahren in Kamerun und Kongo bei den deutschen Schutztruppen diente. Das führte zu weiteren Recherchen und zwei Reisen nach Zentralafrika. Die Ergebnisse waren 2016/17 in der Einzelausstellung „Kamerun und Kongo. Eine Spurensuche und Phantom Geographie“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen. 2016 erhielt er das AArtist in Residence Stipendium des Auswärtigen Amts und LVBG - Landesverband Berliner Galerien, 2017 das Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des Berliner Kultursenats.

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© Andréas Lang

Prof. Dr. Christoph Schaden, TH Nürnberg | »Das andere Schweigen«

Zur Rezeptionsgeschichte des epochalen Fotobuchs "The Silence" von Gilles Peress

1995 veröffentlicht der MAGNUM-Fotograf Gilles Peress im Scalo Verlag den Fotoband "The Silence" über den Genozid in Ruanda. Sein Bilderkorpus über das tabuisierte Verbrechen findet weltweit Beachtung. Nach einer Einzelschau im Museum of Modern Art in New York wird "The Silence" im Herbst des Jahres im Museum Folkwang in Essen gezeigt, zeitgleich wird der Fotograf mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh ausgezeichnet.

Der Vortrag erläutert anhand von Buchrezensionen, Laudationes und Ausstellungsbesprechungen, wie im Rahmen einer außergewöhnlichen Präsentation in Europa erstmals ein einzelnes Fotobuchprojekt in den Blickpunkt der Kritik gerät. Vor der Folie des Völkermordes lässt sich ein facettenreicher Diskurs über die spezifischen medialen Qualitäten ablesen, die das Fotobuch fortan auszeichnet. "The Silence" markiert einen Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung auf das Medium, ohne den die Fotobuchkultur der Gegenwart nicht denkbar ist.

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Fotobuch "The Silence" von Gilles Peress

Knut Wolfgang Maron | Ein Leben

EIN LEBEN - Über die letzten Lebensjahre meiner Mutter und Ihre Hinterlassenschaft. Ein Langzeitprojekt, das ich in über 16 Jahren realisieren konnte. Alle 230 Photographien sind von mir analog vergößert worden.

Ich hatte das Glück, meine Mutter die letzten Lebensjahre begleiten zu dürfen.. Aus der intensiven Beziehung zu der kranken Mutter bis hin zu ihrer absoluten Schwäche, die das Verhältnis Mutter - Sohn völlig umkehrte, entstand durch Vertrauen eine immense Intimität, der heraus es erst möglich wurde, zu diesen Bildern zu gelangen. Es war eine innere Notwendigkeit die mich manisch ergriff.

Nach dem Tod meiner Mutter erhielt ich ihr Haus zwei weitere Jahre, um jede freie Minute dort die Dinge, die sie umgaben, in ihrer Semantik photographisch zu interpretieren. Die so entstandene Arbeit über meine 1920 geborene Mutter steht gleichsam als Speicher ihrer Identität auch stellvertretend für das Lebenskonzept einer ganzen Generation. Es geht dabei um eine intensive photographische Auseinandersetzung mit den elementaren Themen Intimität, Tod, Trauer und Verlust.

Die Realisierung dieser Arbeit wurde durch den gesamten Einsatz des Erlöses des Verkaufs des Hauses, in dem meine Mutter bis zuletzt lebte, möglich. Dafür stehen nun die Bilder und die Bücher Ein Leben und Ein Album.

Knut Wolfgang Maron

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© Knut Wolfgang Maron

Dr. Christiane Stahl | Nautilus- Schnecken, Muscheln und andere Mollusken in der Fotografie

Neben Pflanzen und Kristallen gehören Conchylien - also Gehäuse von Schnecken, Muscheln und anderen Mollusken - zu jenen ›Bauformen der Natur‹, die die Fotografen der Moderne besonders fasziniert haben. Basierend auf Alfred Ehrhardts umfassender fotografischer Conchologie widmet die Alfred Ehrhardt Stiftung diesem Thema eine Ausstellung (mit begleitendem Katalog), die vom Landesmuseum Oldenburg in die Kunsthalle Erfurt reist, bevor sie in reduzierter Form ab Januar 2018 in der Alfred Ehrhardt Stiftung zu sehen sein wird.

Vom Erfinder der Fotografie Henry Fox Talbot, der einige Urbilder der Conchylienfotografie schuf, über Edward Weston, Imogen Cunningham, Horst P. Horst, Alfred Ehrhardt, Andreas Feininger, Hans Hansen bis zu Pierre & Gilles und David LaChapelle, wurden Conchylien objektiv dokumentiert oder subjektiv interpretiert. Sie wurden geröntgt, aufgesägt, gefeilt, isoliert, fragmentiert, collagiert, solarisiert, verfremdet, monumentalisiert, dramatisiert, inszeniert, fetischisiert, modellhaft nachgebaut und in neue Zusammenhänge überführt.

Conchylien waren für Künstler und Fotografen nicht nur aufgrund ihres faszinierenden Formenreichtums, ihrer Schönheit, ihrer skulpturalen Qualität sowie der Magie ihres mathematisch exakten Spiralwachstums ein beliebtes Motiv. Mehr als durch jedes andere künstlerische Medium wurde die Conchylie durch die Fotografie als kosmisches, religiöses, mythologisches oder sexuelles Symbol zum Bedeutungsträger einer Welt jenseits des Materialen von überzeitlicher Gültigkeit.

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Alfred Ehrhardt "Nautilus pompilius L. Philippinen", 1940/41© bpk / Alfred Ehrhardt Stiftung

Arwed Messmer | Die (Bild)Perspektive des Staates

Andere, nicht gesehene Bilder einer bestimmten Zeit und Epoche ans Licht zu bringen, unseren Bildhaushalt signifikant zu erweitern – dies verbindet zahlreiche Projekte des Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer, die dieser in den vergangenen zehn Jahren, zum Teil in Kooperation mit der Autorin Annett Gröschner, unternommen hat.

In der aktuellsten Arbeit RAF – No Evidence / Kein Beweis widmet Messmer sich dem, für die bundesrepublikanische Geschichte so wichtigen Jahrzehnt von 1967 bis 1977. Wie schon in den vorausgegangenen Projekten besteht sein Ausgangsmaterial aus staatlich in Auftrag gegebener, nun funktionslos gewordener Gebrauchsfotografie – in diesem Fall sind es Aufnahmen von Polizeifotografen zum westdeutschen Linksterrorismus, die er in den großen deutschen Bundes- und Staatsarchiven gesichtet, recherchiert, gescannt und neu editiert hat. Messmer stellt diesen Bildern die Frage, wie die ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

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Installationsansichten aus dem Museum Folkwang von der Ausstellung „RAF –NO EVIDENCE / KEIN BEWEIS“ von Arwed Messmer, 2017. Bildfolgen / Tableaus: © Arwed Messmer unter Verwendung von durch ihn digitalisierten, bearbeiteten und editierten Negativen / Abzügen. Die Archivalien stammen aus den Beständen des Staatsarchivs Ludwigsburg , des Bundesarchivs in Koblenz und aus Beständen der Sammlung der Schutzpolizei der Polizeihistorischen Sammlung Berlin

Andy Heller | CA 94103

Abgestellte Einkaufstüten, ein an ein Verkehrsschild angeketteter Reisekoffer, zusammengefaltete Decken auf dem Gehsteig. Andy Heller beobachtet den urbanen Raum als mobile Skulptur. Die Gegenstände, die sie fotografiert, sind so unspektakulär wie ihre Umgebungen und die Situationen, in denen die Fotografin sie vorfindet. Was sie mit der Kamera erfasst, sind Spuren unsichtbarer Präsenz und der Bewegung ihrer Verursacher – von Menschen, die wohl kurz zuvor erst hier gewesen sind. In Hellers Fotografien wird das Unauffällige zum Offenkundigen, das Gewöhnliche zum Geheimnisvollen.

Für ihre Arbeit "CA 94103" erkundete die Fotografin 2011 für mehrere Wochen ein Areal innerhalb des gleichlautenden Postleitzahlenbereichs in San Francisco. Das Umfeld unterhalb eines markant im Innern des betreffenden Stadtteils gelegenen Autobahnkreuzes bildete das Zentrum ihrer Beobachtungen. Eine Gegend abseits aller Attraktionen, geprägt von zusammengeflickten Funktionsarchitekturen und einer von Trostlosigkeit getränkten Atmosphäre, ein seltsames Irgendwo, scheinbar bedeutungslos für jeden Besuch. Und gerade deshalb für die Fotografin so ergiebig.

Thomas Elsen

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© Andy Heller

PD Dr. Andrea Gnam | Die Knochen sehen – Blinde in der Fotografie, ein neues Bewusstsein?

Betrachtet man historische Aufnahmen, die Blinde zeigen, befällt einem Unbehagen. Auf einer frühen Aufnahme von Paul Strand „Blind Woman“ aus dem Jahr 1916 zum Beispiel sehen wir den Kopf einer älteren, ärmlich gekleideten Frau, frontal vor einer schäbigen Wand aufgenommen. Ihr eines Auge ist geöffnet und sieht gesund aus, beim anderen ist der Augapfel nach innen verdreht. Um ihren Hals baumelt ein Schild, auf dem nur ein einziges Wort steht „Blind“. Ähnlich eine Fotografie von Lisette Model aus den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Ein grimmig ausschauender Herr sitzt auf einem Hocker vor einer Plakatwand und präsentiert ein Schild mit der Aufschrift „Aveugle“. Blinde wie Betrachter scheinen in ihrer je eigenen Welt isoliert zu sein, die unselige Bettelsituation wirkt wie ein Bann. Schon Dante hat in der Commedia, beim Gang durchs Purgatorio, die ungleichgewichige Situation zwischen Sehenden und blinden Bettlern beklagt: „Mir schien als täten wir im Gehen unrecht, wenn wir sie sahn, ohne dass sie uns sehen.“

Inzwischen hat sich die Einstellung zu Blinden, vor allem aber auch zu blinden Fotografen und Fotoigrafinnen gewandelt. Vor allem von Letzterem wird in meinem Vortrag die Rede sein, mit Beispielen aus der amerikanischen Fotografie, ausgehend von einem Film von Frank Amann „Shot in the Dark“ (2017) und weiteren Projekten.

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© Pete Eckert

Gisoo Kim | Stickerei und Fotografie

Ich befinde mich zwischen der deutschen und koreanischen Kultur, und diese Mischungen wollte ich in meiner Arbeit zusammenstellen. Ich verbinde zwei Orte, die nicht zusammengehören – einen offensichtlichen mit einem fremden Ort.

Im Prinzip stelle ich die zwei Fotomotive zusammen zu einer Landschaft. Ich nähe Fotocollagen in eine neue Realität. Aber nicht indem ich meine Landschaftsbilder am Computer zusammenbaue, sondern bei mir werden die einzelnen Bildelemente von Hand miteinander vernäht. Aber die feinen Stofffäden sind nicht nur Verbindungselemente, mit ihnen verlängern auch im Foto vorgegebene Strukturen.

Durch das Nähgarn werden die unterschiedlichen Fotomotive zusammen in ein Bild gebracht und zeigen reale und surreale Zusammensetzung. Stickerei mit Fotografie ist auch eine Zeichnung auf Fotografie. Diese Strickspur führt das Bild in die verschiedene Ebene und Struktur. Die unterschiedlichen Fäden sind mal gegenständlich zu lesen, mal erscheinen sie abstrakt.

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© Gisoo Kim

Timo Hoheisel | (In)Visibel

In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt Timo Hoheisel besonders das Verhältnis zwischen der Materialität und dem Verbergen, Entziehen und Camouflieren von Inhalten. Diese Idee führt er oft künstlerisch so weit, dass seine Bildinhalte für die Betrachter nur noch gedanklich oder auf emotionale Weise zugänglich sind. Dafür setzt er das Medium Fotografie in unkonventioneller Weise ein.

Ziel des Fotografen ist es, eine „Essenz“ in Form von etwas Poetischem, Verborgenem oder Verstecktem in seinen Arbeiten zu kommunizieren. Im finalen Werk werden die Rezipienten zuerst mit der Oberfläche konfrontiert. Es bedarf einer weiteren, einer inhaltlichen Auseinandersetzung und einem Durchbrechen dieser Oberfläche, um an die philosophisch-soziale Bezüge zu gelangen. Gelingt diese Dechiffrierung, kann das Werk fortan nicht mehr ohne seinen inhaltlichen Bezug betrachtet werden.

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© Timo Hoheisel

Loredana Nemes

Loredana Nemes, geboren 1972 in Sibiu, Rumänien, floh 1986 mit ihrer Familie nach Aachen, studierte an der RWTH Aachen Deutsche Literatur und Mathematik und wandte sich ab 2001 gänzlich der Fotografie zu.

Anfänglich im Dokumentarischen agierend, wechselte ihr Interesse später zu konzeptionellen Serien, die sich dem Portrait widmen, dessen Möglichkeiten analysieren und fotografische Grenzen aufzeigen. Ihre Arbeiten sind jedoch auch Gesellschaftsanalysen, sei es in der Betrachtung von Fremdheit in der unmittelbaren Nachbarschaft Neuköllns und Kreuzbergs oder sei es auf der Suche nach Individualität in einer uniformierten Bankenwelt. In den neuesten und das Portrait verlassenden Zyklen, die Nemes gerade für eine Einzelausstellung in der Berlinischen Galerie 2018 entwickelt, setzt sie neben fotografische Arbeiten auch eigene Sprachbilder und zieht somit den Bogen zur vermeintlich zurückgelassenen Literatur.

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© Loredana Nemes

Claudia Fährenkemper | Armor

Die „ARMOR“-Arbeiten widmen sich repräsentativen Prunk- und Turnierrüstungen, die eigens für Kaiser, Könige und große Feldherren zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert angefertigt wurden und die weltweit in bedeutenden Militaria- und Rüstungssammlungen anzutreffen sind. Form, Ausstattung und Emblematik der Rüstungen, ihre skulpturale Qualität faszinieren mich ebenso wie die Vorstellung, dass historische Personen diese Rüstungen als schützende Gehäuse leibhaftig getragen haben.

Es geht mir nicht um die Dokumentation von unterschiedlichen Rüstungstypen, sondern um die skulpturale und materielle Präsenz der Harnische und somit der in absentia „Portraitierten“. Deshalb konzentriere ich mich auf Brustportraits der Harnische.

„ARMOR“ erzählt von Glaube, Liebe, Hoffnung, von Verletzlichkeit, aber auch von Macht und Reichtum. Was bleibt von uns Menschen in unseren Artefakten erhalten und überdauert materiell, aber auch als kulturelles Erbe, geistige und emotionale Hinterlassenschaft die Jahrhunderte?

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© Claudia Fährenkemper

Amin El Dib | Von der Brüchigkeit des Seins, Schadensbilder aus der Skulpturhalle Basel

Drei Jahre lang hat Amin El Dib in der Basler Skulpturhalle fotografiert, die Gipsabgüsse antiker Skulpturen zu Studienzwecken versammelt. Dem Fotografen ging es allerdings weniger um möglichst präzise Wiedergabe der schönen Figuren, sondern um die Situation einer Sammlung in einem Raum, auch und gerade in Momenten des Übergangs von Unterbringung zu Präsentation. Oft sind es auch Details, die Amin El Dib zu Bildern herausfordern, alte und neue Beschädigungen von sonst vollkommenen Skulpturen.

Da die Gipse selbst nicht bemalt sind, wird ihre materielle Farbigkeit von weiß bis gelb im Gegensatz zu den Farben des Raums, von roten Wänden über weiße Decken bis zur Farbigkeit der Lampen thematisiert. Denn die Geschichte der Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen ist die eines Mediums und folgt damit einer Dynamik, die Amin El Dib für sein Medium, für die Fotografie in ähnlicher Weise wiederholt. Er begann seine Karriere als klassischer Fotograf in Schwarzweiß und nähert sich nun über unfarbige Objekte der digitalen Farbe.

Insofern sind die Gipsabgüsse der Basler Skulpturhalle einmal mehr ein modernes Lehrmittel der Wahrnehmung und führen gerade in den Beschädigungen, die Amin El Dib zum vordergründigen Motiv seiner Bilder gemacht hat, die Unsicherheit medialer Wahrnehmung vor: Wie alt sind die Schäden, in welchem Nachguss-Vorgang sind sie entstanden, gibt es sie am Objekt oder nur im Bild? Amin El Dib führt vor, dass jede Kunst eine Bearbeitung anderer Kunst ist – ad infinitum und in schönen Bildern.

Rolf Sachsse, 2017

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© Amin El Dib

DFA press materials:

Livestream Archive | Winter 2017

Livestream Archive | Winter 2017

Seit einigen Jahren werden die Präsentationen live gestreamt, sofern die Vortragenden zustimmen. Aus diesem Material baut die Akademie langfristig ein Video-Archiv. Hier finden sie die folgenden Livestreams: Meinrad Schade | Unresolved - Israel und Palästina Ann-Christine Woehrl | Witches in Exile u.a. Fotoarbeiten Andréas Lang | Phantom Geographie Knut Wolfgang Maron | Ein Leben Dr. Christiane Stahl | Nautilus Gisoo Kim | Stickerei und Fotografie Timo Hoheisel | (In)visibel Loredana Nemes Claudia Fährenkemper | Armor

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