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event:

2015 Winter-Tagung | Grassi Museum

date:

05-06.12.2015

city:

Leipzig

address:

Grassi Museum, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig

2015 Winter-Tagung | Grassi Museum

Hier finden Sie das Programm der Tagung und Kurzbeschreibungen der Präsentationen.

Programm

Samstag, 5.12.

10.00 - 10.15 Begrüßung, Ingo Taubhorn (Präsident der DFA)

10.15 - 11.00 Isaak Broder "Reisen - in jeglichem Sinne"

11.00 - 11.45 Daniel Schumann "Die Koordinaten des Menschlichen"

11.45 - 12.30 Gerhard Vormwald "zu Trans-Form"

12.30 - 13.30 Mittagspause

13.30 - 14.15 Claus Bach "Weimar. Blick zurück 1976 -1999"

14.15 - 15.00 Erasmus Schröter "Die Echtfotopostkarten der DDR zwischen Zensur und Dokument"

15.00 - 15.45 PD.Dr.Andrea Gnam "Die feinen Unterschiede. Der differenzierte Blick auf die Architektur der Ostmoderne im Fokus der Fotografie"

15.45 - 16.15 Kaffeepause

16.15 - 17.00 Rudi Meisel "Landsleute 1977-1987 - Two Germanys"

17.00 - 17.45 Wolfgang Bellwinkel "The Beach"

18.00 - 19.00 Dr. Thomas Rudi, Axel Menz Führungen durch die Dauerausstellung des Grassi Museums

Sonntag, 6.12.

10.00 - 10.30 Ingo Taubhorn und Celina Lunsford "Pläne für das 100-jährige Jubiläum der GDL/DFA im Jahr 2019"

10.30 - 11.30 Prof. Joachim Brohm "HGB Leipzig - Klasse für Fotografie und Medien -Vorstellung seiner Student/Innen Dana Lorenz, Sophia Kesting und Daniel Poller"

11.30 - 12.15 Delphine Bedel (Meta/Books) "Self-Publishing – The New Economy of the Book"

12.15 - 13.00 Wolfram Janzer "Werkgruppen aus 30 Jahren DFA-Mitgliedschaft"

13.00 - 14.00 Mittagspause

14.00 - 14.45 Eberhard Patzig "Frühe Fotografie in Leipzig - Fragile Schätze zwischen Bedrohung und Bewahrung"

14.45 - 15.30 Birte Kaufmann "The Travellers 2011-15"

15.30 - 15.45 Kaffeepause

15.45- 16.30 David Grabiniok "love (fucking) love"

16.30- 17.15 Calin Kruse "Von Zine zu Fotomagazin zu Fotobuch"

17.15- 18.00 Betram Kober "Transmission"

Kurzbeschreibungen der Präsentationen:

Claus Bach | Weimar. Blick zurück 1976 -1999

Seit November 2011 veröffentlichte die „Thüringische Landeszeitung“ Aufnahmen Bach’s aus dem Weimar Ostdeutschlands. Bis heute wird unter dem Titel „Blick zurück“ wöchentlich ein fünfspaltiges schwarzweiß - Foto in jener Lokalzeitung abgedruckt. Über die Jahre entstand eine Bilderchronik, welche das Leben der Stadt bis in die verschiedensten Winkel der Gesellschaft zeigt. Von sogenannten offiziellen Anlässen über Alltagsmomente bis in die Subkulturen. Viele dieser Bilder werden von den Menschen vor Ort und in den sozialen Netzwerken diskutiert.

So war es folgerichtig, dass im Herbst 2015 die Buchpublikation „Blick zurück. Weimar 1976 - 1999“ entstand. Anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten. Erstmals wurde ein Fotobuch veröffentlicht, das die jüngste Vergangenheit Weimars außerordentlich facettenreich präsentiert. Dabei erzeugen die Bilder mitunter auch eine symbolhafte Wirkung über den Ort hinaus oder vermitteln unfreiwillig komische Momente. Auf 115 Fotografien wird der Blick in die jüngste Vergangenheit der Stadt gelenkt, ohne ihn mit dem Zeitpunkt der Wiedervereinigung abzubrechen.

Auch und gerade die 1990-iger Jahre werden mit allen Aufbrüchen und Widersprüchen vorgestellt. Diese Nachwendezeit nimmt einen wichtigen Teil des Fotobands ein. Nicht zuletzt wird damit die Entwicklung des östlichen Teils Deutschlands spürbar. Und genau das ist das Besondere. Ein Novum in der deutschen Verlagslandschaft. Denn bisher schlossen die meisten Fotobände dieser Art mit dem historischen Ende der DDR ab.

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"60. Geburtstag" 1982 © Claus Bach
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"Wir bleiben hier" 1989 © Claus Bach

Erasmus Schröter | Die Echtfotopostkarten der DDR zwischen Zensur und Dokument

Der Leipziger Erasmus Schröter wuchs in der DDR auf und erhielt während seines Studiums an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst von 1977 bis 1982 seine Ausbildung zum Fotografen. Seitdem ist er in der internationalen Fotokunstszene aktiv. Mit den Augen eines Fotografen sammelte er in den letzten Jahrzehnten intensiv auf Flohmärkten die Echt Foto Postkarten der DDR. .

Der Schwerpunkt seiner Postkartensammlung, die inzwischen auf mehrere Tausend Karten angewachsen ist, liegt auf allen kulturellen Äußerungen der DDR-Moderne. So gibt es Karten von sozialistischer Neubauarchitektur, staatlichen Ferienheimen, Pionierlagern für die Jugend und von sozialistischen Denkmälern in den Zentren der Städte. Andere Postkarten vermitteln interessante Einblicke in das Innere dieser Gebäude. Sie zeigen uns die Inneneinrichtung, das Möbel -und Lampendesign sowie die Bildkunstwerke der sozialistischen Ära..

Die Mehrzahl der Relikte sozialistischen Bauens und politischer Denkmäler ist inzwischen bereits abgerissen und verschwunden. Allein die Postkarte zeigt uns noch die vergeblichen Fortschritts- und Siegesillusionen des Sozialismus der DDR. Damit erfüllen diese kleinen Fotopostkarten in unserer Zeit eine wichtige Funktion als fotografisches Dokument.

Der Vortrag führt auf unterhaltsame Weise in die damals offiziell erwünschte Bildwelt der DDR. Er beleuchtet an Hand vieler Beispiele, wie die Fotopostkarte im Spannungsfeld von Zensur und fotografischem Dokument ihre spezifische, heute oft seltsam fern anmutende Ästhetik entwickelte.

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PD.Dr.Andrea Gnam | Die feinen Unterschiede. Der differenzierte Blick auf die Architektur der Ostmoderne im Fokus der Fotografie

Die Architektur der Ostmoderne galt in ihrem ästhetischen Anspruch über Jahrzehnte hinweg (vor allem aus der Perspektive des Westens) als eintönig und trist. Wohnanlagen, aber auch Sonderbauten wurden nach der Wende als nicht erhaltenswert betrachtet und dem Abriss preisgegeben. Im 21. Jahrhundert setzt ein allmähliches Umdenken und eine späte Wertschätzung ein: Fotografische Arbeiten haben sehr viel dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf die „feinen Unterschiede“ zu lenken, sie zu erkunden, zu archivieren und sichtbar werden zu lassen. Auch das industrialisierte und modularisierte Bauen bietet differenziertere Lösungen, als lange angenommen, gerade auch auf dem Feld der lange unbeachtet gebliebenen Alltagsarchitektur: Sie liegen im Detail, den Varianten, dem städtebaulichen Kontext. Aber auch eine weitere Frage stellt sich: Inwiefern trägt das Bild unseres gewohnten städtebaulichen Umfeldes retrospektiv zu unserer Identität bei?

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Taschkent Wohngebäudes der Serie 1T-SP - Foto © Philipp Meuser - Aus dem neu veröffentlichten Buch von Philipp Meuser „Die Ästhetik der Platte | Wohnungsbau in der Sowjetunion zwischen Stalin und Glasnost.“ DOM publishers. Berlin 2015

Rudi Meisel | Landsleute 1977-1987 / Two Germanys

An den Fernstraßen in der Ukraine entstehen in den Sommermonaten Märkte, die zumeist aus Deutschland Ende der 1970er Jahre. Die Nachkriegszeit ist überwunden, das Wirtschaftswunder vollbracht und die Teilung in West und Ost endgültig vollzogen. Kaptialismus und Sozialismus prägen tief den Alltag der Deutschen, die Unterschie­de zwischen den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen wachsen stetig. Divergente Gewohnheiten, Mentalitäten und Ideologien in beiden deutschen Staaten scheinen sich fest zu zementieren. Und doch ähneln sich BRD und DDR trotz Mauer und Stacheldraht in ihrer Kleinbürgerlichkeit, Uniformität, Architektur und ihrem Habitus ungemein. Biedere Behaglichkeit, unwirtliche Wohn­siedlungen, nachbarlicher Schwatz, bierselige Stammtische, jugendliche Rebellion, kurzweilige Volksfeste, baufällige Straßenzüge – der westdeutsche Fotograf Rudi Meisel hat über einen Zeitraum von elf Jahren das alltägliche Leben der kleinen Leute hüben wie drüben eingefangen. Seine bildjournalistischen Dokumente fügen sich zu einem einzigartigen, zeitgeschichtlichen Archiv zusammen und irritieren und erstaunen ob der Similarität der Sujets. Was ist eigentlich spezifisch West, was Ost? Oft geben erst die Bildtitel eine verlässliche Sicherheit bei der Zuordnung.

Als einer der wenigen westdeutschen Fotografen bereiste Rudi Meisel mehrmals im Jahr die DDR. Im Auftrag zahlreicher Medien konnte er dort den Alltag dokumentieren – eine Besonderheit zu jener Zeit. In der Tradition der Street Photography interessiert ihn das Geschehen jenseits staatlich gelenkter Propaganda und Inszenierung. Sein Blick auf den sozialistischen Staat ist offen, neugierig und frei von jeglicher Polemik, Häme oder Herablassung. Rudi Meisels Reportagen wirken unverstellt, auch wenn die Ergebnisse von der Zensur kontrolliert wurden – ihm wurde stets ein Aufpasser des Internationalen Pressezentrums an die Seite gestellt. An sich schon wertvolle, visuelle Primärquellen und authentisches Anschauungsmaterial, erhalten diese Bilder in der Gegenüberstellung mit seinen Fotografien aus Westdeutschland eine zusätzliche Bedeutungsebene. Denn sie geben in ihrem Zusammenspiel und Vergleich Aufschluss über die Frage nach Prägungen, die so etwas wie „Das Deutsche“ oder Eigenheiten des „deutschen Volkes“ ausmachen....

© Mirko Nowak, Aus dem Pressetext für die Ausstellung von Rudi Meisel bei C/O Berlin

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Schuhmachergässchen, Riquethaus, Leipzig, DDR, 1980 - © Rudi Meisel

Daniel Schumann | Die Koordinaten des Menschlichen

Die Koordinaten des Menschlichen sind seit meinem Zivildienst in einem Hospiz zum zentralen Thema meiner fotografischen Arbeit geworden. Sie verbinden meine Buchprojekte, in denen ich mich mit Liebe und Familie, mit Leben und Vergänglichkeit auseinandersetze.

In meiner Arbeit »Purpur Braun Grau Weiß Schwarz« ist der sterbende Mensch und sein Umgang mit Krankheit und Tod Thema meiner Fotografie. Ein Jahr lang habe ich Menschen fotografisch begleitet, die in einem Hospiz gelebt haben und dort gestorben sind. Während diese Menschen zumeist auf ein langes Leben zurückblicken konnten, porträtiere ich für mein Langzeitprojekt »Prinzessinnen und Fußballhelden« Familien, die ein Kind mit einer lebensbedrohenden Krankheit haben. In meinen Fotografien zeige ich, wie Familien der Krankheit ihres Kindes und der Endlichkeit des Lebens begegnen, genauso, wie sich die Lebenskonzepte und die Familienstrukturen über die Jahre verändern. Für mein Fotoprojekt »International Orange« habe ich als Fulbright-Stipendiat gleichgeschlechtliche Familien und Paare in San Francisco fotografiert, um das Thema Familie von einem neuen Blickwinkel aus zu betrachten. Gleichzeitig ist diese Arbeit auch eine Liebeserklärung an diese wunderbare Stadt und ihre faszinierende Freiheit.

Meine Fotoprojekte sind bislang in Europa, Asien und Amerika ausgestellt, mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet und als Fotobücher veröffentlicht worden.

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© Daniel Schumann

Birte Kaufmann | The Travellers 2011-15

Meine Arbeit "The Travellers" gibt einen Einblick in den Alltag der größten Minderheitsgruppierung Irlands. Sie haben einen nomadischen Ursprung und kommen aus der Tradition der Wanderarbeiter. Da diese Funktion aufgehoben wurde, sind sie auf der Suche nach einer neuen Identität in der westeuropäischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Durch ihre Traditionen und ihre sozialen Verhaltensweisen, finden Sie wenig Akzeptanz in der übrigen irischen Gesellschaft. So führen sie ein Leben in einer Parallelwelt mit eigenen strengen Regeln, in die Außenstehende keinen Zugang haben. Auch heute noch leben Travellerfamilien illegal am Strassenrand, weitgehend ohne Strom, fließendes Wasser und sanitäre Anlagen, obwohl die Regierung eigens für sie Plätze, auf denen sie mit ihren Wohnwagen stehen können (Haltingsites), eingerichtet hat.

Für meine Arbeit fuhr ich im Sommer 2011 zum ersten mal mit einem VW-Bus nach Irland. Mit meiner Fotografie will ich die Lebensweise und Wertvorstellungen der Traveller dem Betrachter nahe bringen. Über die Jahre hielt ich regelmäßigen Kontakt mit einem Clan aufrecht und mit der Zeit erlangte ich ihr Vertrauen. So konnte ich eng mit einer Großfamilie der Traveller am Straßenrand, oder auf einem Haltingsite zusammenleben. Meine Kamera und ich wurden mit der Zeit zum Teil des Alltags.

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© Birte Kaufmann

Prof. Joachim Brohm | HGB Leipzig - Vorstellung seiner Studierenden Dana Lorenz, Sophia Kesting und Daniel Poller

"Auf der Grundlage der wirklichkeitsbeschreibenden Fotografie bietet die Klasse für Fotografie und Medien Möglichkeiten einer zeitgenössischen Orientierung im fotografisch-medialen Bereich. Der Begriff des Dokumentarischen und seine Überprüfung im Kontext aktueller Inhalte spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Diskussion hierüber wird anhand der Arbeiten der Studierenden intensiv geführt, in Einzel- und Gruppengesprächen sowie in Präsentationen im Rahmen der Klasse. Von ebensolcher Bedeutung ist die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Arbeiten in Form von Ausstellungen, Publikationen und Gastvorträgen. Eine konsequente Offenheit gibt es bezüglich der zu wählenden Arbeitsmittel: Die Fotografie lässt sich nicht mehr definieren, ohne digitale und hybride Technologien selbstverständlich und gleichwertig zu den klassischen, analogen Verfahren einzusetzen. Die Studierenden wählen ihre Arbeitsvorhaben und Themen frei, erarbeiten in Absprache und mit Beratung der Lehrenden individuelle Konzepte und Vorgehensweisen, um schließlich eine eigene, künstlerische Sprache zu entwickeln.".

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Oben: "field notes of fences" © Daniel Poller, unten: "There is no Colour but some Ideas how Things might be" © Sophia Kesting und Dana Lorenz, 2013

Calin Kruse | Von Zine zu Fotomagazin zu Fotobuch

Calin Kruse studierte Kommunikationsdesign in Mannheim und Trier; er gibt seit 2007 das Magazin im Alleingang dienacht heraus, ein zeitloses Magazin für Fotografie, Gestaltung und Subkultur. Außerdem gründete er 2012 dienacht Publishing, einen Verlag für Fotobücher mit Sammelwert, in kleineren oder größeren Auflagen.

Calin kuratiert Fotografieausstellungen, ist Portfolio-Reviewer (u.a. auf dem F/Stop-Festival in Leipzig, PhotoIreland in Dublin und Vienna Photo Book Festival), hält Gastvorträge an Hochschulen und macht Workshops für Fotobuchgestaltung.

Die Bücher bei dienacht Publishing erhielten bisher einige Auszeichnungen: NOCTURNES wurde von TIME Magazine und photo-eye, Dead Traffic von photo-eye zum Fotobuch des Jahres ausgewählt, Nowhere hat den Deutschen Fotobuchpreis 2014 erhalten und eines der neusten Bücher, ANNA KONDA, steht zur Zeit auf der Shortlist der Paris Photo – Aperture Photo Book Award..

Calin Kruse wird über die Anfänge und seine Herangehensweise und Arbeit als Magazin- und Buchmacher, -gestalter und -kurator sprechen und die Vor- und Nachteile seines Ein-Mann-Unternehmen beleuchten.

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© Calin Kruse, dienacht Publishing

Gerhard Vormwald | zu Trans-Form

Im Zuge von Experimenten mit unterschiedlichen bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten, beschäftigt sich Gerhard Vormwald seit einiger Zeit unter anderem mit Neuinterpretationen von Fotografien die er aus dem Fundus eines in permanenter Entstehung begriffenen Komplexes von Natur - und Landschaftsdarstellungen auswählt..

Diese, sowohl in ihrem formalen Aufbau als auch im dekonstruktiven Duktus expressiv in Erscheinung tretenden Natur- und Landschaftsparaphrasen, welche idealerweise als großformatige Ölmalerei - minutiös reproduziert - gezeigt werden sollten, leiten hier angesichts zeitgleich stattfindender, intensiver Beschäftigungen mit malerischen und zeichnerischen Ausdrucksformen, vielleicht auch einen Abgesang Vormwalds auf rein fotografische Darstellungsverhältnisse ein.

Im Verlaufe des Gestaltungsprozederes am Rechner bilden sich unter eingeschränkten Kontroll - und Steuerungsmöglichkeiten der Werkzeuge und im Wechselspiel zwischen Kalkül und Zufall, schrittweise Bildtransformationen heraus die in den Kontext eines neuen Stilbereichs überleiten.

„Die digitale Neuinterpretation der Fotografien entstanden in einem dem Mal- und Zeichenprozess durchaus vergleichbaren Vorgang. Es bedurfte einer gewissen Zeit bis ich in mehreren Versuchen jene technischen Möglichkeiten herausgefunden hatte die meinen Vorstellungen gemäß für die Gestaltungsarbeit in Frage kamen.

Nach mehrmaligen Korrekturen waren die Darstellungen in eine für mich zufriedenstellende Form gebracht. Der neue Look war anfänglich gewöhnungsbedürftig. In den Arbeitsperioden pendelte ich phasenweise zwischen dem Grafiktablett an meinem Rechners und dem Zeichentisch im Atelier hin und her.Somit ist es nicht sehr erstaunlich, dass trotz der unterschiedlichen Medien sich bei diesen weitgehend simultan entstandenen Bildserien vergleichbare Entsprechungen aufzeigen lassen.“

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© Gerhard Vormwald

David Grabiniok | love (fucking) love

Thema dieser ersten Reihe des neuen Werkkomplexes sind ikonenhafte Negationen (Transformationen) von Fotografien durch Form, Farbe und Kombination. Es entstehen Bildkompositionen mittels dieser – an sich trivialen – Bilder, die durch das Hinzufügen von zeitlich und emotional miteinander in Verbindung stehenden Elementen, eine Verbindung zwischen dem Dargestellten und dem Betrachter schaffen sollen, um somit in ihrer Bedeutung aufgewertet zu werden.

In Negationen äußert sich eine Auflösung, die zu einem angemesseneren Bild gelangen soll. Eine Art sichtbare Überdeckung, Erinnerung und Reinigung. Die durch die Negation entstandene Leere generiert visuelle Dichte. Die Leere wird gegenstandslos, aber energieerfüllt (vgl. Gottfried Boehm: Wie Bilder Sinn erzeugen).

Bei diesen für die Werkreihe ausgewählten Bildkompositionen handelt es sich um die vorläufige Essenz aus einer Fülle unterschiedlicher Varianten, welche die Grenzen von künstlerischer Fotografie in Verbindung mit grafischer Gestaltung auszuloten versuchen. Die Darstellungen nehmen Bezug auf einen bestimmten Lebensabschnitt – und zu Lebenswelten des Künstlers.

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© David Grabiniok

Isaak Broder | Reisen - in jeglichem Sinne

In meinen fotografischen Arbeiten beschäftige ich mich hauptsächlich mit Definitionen von Räumen – Erinnerungsräumen, die oft im engen Bezug zu meiner Kindheit stehen. Mein Arbeitsansatz ist nicht konzeptionell, sondern basiert auf Neugierde, Instinkt und schließlich strengen Entscheidungsprozessen. Trotz teils sehr unterschiedlicher Themen und Neuerkundungen innerhalb meiner Fotografie, zum Beispiel auch in Farbe, komme ich immer wieder auf ähnliche Themen zurück, so auch auf mein Hauptthema mit dem Arbeitstitel “Waldbilder“.

Ich denke mehr in Einzelbildern, Bilder-Kosmen oder Büchern als in Serien. Meine Arbeitsweise ist stark von meinen Erfahrungen in der analogen Dunkelkammer geprägt, da ich vorwiegend analog arbeite, und dies in schwarzweiß. Mein Hang zum erzählerischen Motiv bedingt sich durch die ständige Suche nach Orten, die für mich ein Geheimnis bergen, was mich fesselt. Wenn die Bilder später auch beim Betrachter dieses Geheimnisvolle bewahren und ihn berühren, war ich erfolgreich.

Viele meiner Motive haben etwas mit Architektur, z.B. Puestos Projekt oder Räumlichkeit in der Natur, z.B. Waldbilder, zu tun. Bei der Präsentation einiger meiner Arbeiten lege ich ein besonderes Augenmerk auf Leuchtkastensysteme, die mit dem Außenlicht des Ausstellungsraumes arbeiten.

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© Isaak Broder

Wolfgang Bellwinkel | The Beach

Im Frühjahr 2009 endete ein 28-jähriger Bürgerkrieg im Nordosten von Sri Lanka, mit einer vernichtenden Niederlage der separatistischen Tamilen. Das letzte von den Rebellen gehaltenen Territorium bestand aus einem schmalen Küstenstreifen - begrenzt vom Meer im Osten und einer Lagune im Westen - auf dem zuletzt etwa 300 000 Tamilen, zusammengepfercht auf ca. 25 qkm, dem Dauerfeuer der ceylonesischen Armee ausgesetzt waren. Laut Schätzungen der UN starben innerhalb von wenigen Monaten 40 000 Menschen - überwiegend Zivilisten. ’The Beach' versucht an dieses, von der Welt kaum beachtete Massaker zu erinnern. Die Arbeit besteht aus 2 großen Tableaus, 4 Einzelbildern und Texten.

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© Wolfgang Bellwinkel

Delphine Bedel (Meta/Books) | Self-Publishing – The New Economy of the Book

More photographs were produced in 2014 then in the whole history of photography. Photobooks, Instagram, metadata, everyone is a publisher. How does this affects photographic practices and art institutions? Working at the intersection of photography, publishing and theory, Delphine Bedel will speak about the drastic economic and technological changes occurring in the publishing industry and in photography. Her talk will address the shift from print to software culture. New modes of production, distribution and publishing strategies will be presented, together with her recent works and Meta/books, her new research and publishing platform.

Delphine Bedel is an artist, publisher, curator and PhD researcher at University of Creative Arts/ Farnham Campus (UK), Thesis ‘Meta/Books – Publishing as Artistic Practice. She is founder & director of Amsterdam Art/Book Fair and Meta/Books.

Meta/Books operates as an experimental research and publishing platform, working closely with artists, photographers, media critics, designers and programers to develop cutting-edge projects, from print to digital. This long term-project aims to document current publishing practices by artists that are at the confluence of these questions, and the possible historiography and archiving of these practices as they emerge.

delphinebedel.com

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© Delphine Bedel

Bertam Kober | Transmission

Auf zahlreichen Fotoreisen nimmt Bertram Kober die Sendemasten und Empfängeranlagen auf, die er in seinem Projekt »Transmission« vorstellt. Er zeigt in den Bildern aus den italienischen Bergen oder deutschen Ebenen aber nicht nur die monumentale Anmutung solcher Anlagen oder die skulpturale Ästhetik der mit scheinbar zahllosen Satellitenschüsseln und Stabantennen bestückten Turmaufbauten. Der Künstler verweist mit den Anlagen, die er sich zum Beispiel in 2500 Metern Höhe erwanderte, auf die Allgegenwärtigkeit der »Transmission«. Ein nahtloses Netz zieht sich unsichtbar über die gesamte Landschaft. Wellen, mit deren Hilfe alles gesendet und empfangen, belauscht und weitergeleitet werden kann, überlagern jeden Ort der Erde. Informationen sind erreichbar, überall und wir damit auch. Die Unsichtbarkeit des Netzes lässt das aber vergessen. Die Idylle einer Landschaft kommt unberührt daher. Nur die Andockstellen der Übertragungen und der Verstärkung sind erkennbar. Bertram Kober setzt sie eindrucksvoll in Szene.

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© Bertam Kober

Wolfram Janzer

Wolfram Janzer zeigt verschiedene Werkgruppen aus 30 Jahren DFA-Mitgliedschaft.

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"Le Corbusier: Kloster La Tourette", 2015 © Wolfram Janzer

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