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event:

2018 Winter-Tagung | Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg

date:

07-09.12.2018

city:

Hamburg

address:

Deichtorhallen - Haus der Fotogtrafie, Deichtorstraße 1, 20095 Hamburg

Winter-Tagung 2018 | Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg

Hier finden Sie das Programm der Tagung und Kurzbeschreibungen der Präsentationen. Die Präsentationen finden regulär in deutscher Sprache statt. Für alle, die nicht anwesend sein können, gibt es den Livestream unserer Facebook-Seite und nach der Tagung ausgewählte Mitschnitte im Livestream-Archiv am Ende dieses Postes.

Programm:

Freitag, 7.12.

18.00 - 20.00 Mitgliederversammlung (nicht öffentlich) im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg

Samstag, 8.12.

10.15 - 11.00 Begrüßung und Einführung durch Ingo Taubhorn, Präsident der DFA

11.00 - 11.45 Amin El Dib "Body and Soul"

11.45 - 12.30 Kurt Buchwald "Limes Mundi – Die Umkehrung der Sicht"

12.30 - 13.30 Mittagspause

13.30 - 14.15 Dr. Angela Hildebrand "In der Dunkelkammer der DSGVO"

14.15 - 15.00 Sabine Schründer "Pavillon"

15.00 - 15.45 Hans Christian Schink "Hinterland"

15.45 - 16.15 Kaffeepause

16.15 - 17.00 Ute Mahler und Werner Mahler "Kleinstadt"

17.00 - 17.45 Ingo Taubhorn führt durch die Ausstellung "Life in Cities" von Michael Wolf

18.00 - 21.00 13. Portfoliowalk der DFA mit den Fotograf*innen:
Monika Barth, Marvin Boehm, Torsten Dodillet, Ulla Franke, Nikolai Frerichs, Nora Klein, Andreas Kremer, Kristina Lenz, Stephan Lucka, Philipp Meuser, Toni Petraschk, Alexandra Polina, Patrick Pollmeier, Tom Roelecke, Sandra Schildwächter, Mirene Schmitz, Frank Szafinski, Anna Siggelkow, Ying Tang und Bastian Thiery

Sonntag, 9.12.

10.00 - 10.45 Isadora Tast "Reaching Hollywood"

10.45 - 11.30 Richard Reisen "Die Bändigung der undisziplinierten Bilder"

11.30 - 12.15 Fatih Kurceren "Motorway of Macedonia" und "T.C."

12.15 - 13.15 Mittagspause

13.15 - 14.00 Joachim Hildebrand "Wild West - Das asphaltierte Paradies"

14.00 - 14.45 Stefanie Steinkopf "Vogelfrei und Manhatten – Strasse der Jugend"

14.45 - 15.00 Kaffeepause

15.00 - 15.45 Karina-Sirkku Kurz "A body of work"

15.45 - 16.30 Klaus Elle "Vollendete Natur"

16.30 Ende der Tagung

Kurzbeschreibungen der Präsentationen:

Michael Wolf | Life in Cities

Michael Wolfs Arbeiten reflektieren die Lebensbedingungen in Metropolen wie Hongkong, Tokio, Chicago und Paris und greifen Themen wie Überbevölkerung, Massenkonsum, Privatsphäre und Voyeurismus auf. Die elf Werkserien und eine riesige Wandinstallation umfassende Ausstellung "Life in Cities" zeigt Werke des deutschen Fotografen von den Anfängen als Dokumentarfotograf bis hin zu den jüngsten Arbeiten.

Wolf (*1954) begann seine berufliche Karriere als Fotojournalist und arbeitete für renommierte Magazine wie GEO und Stern. 2003 wechselte er das Metier und wurde ein autonomer visueller Künstler. Dennoch bleiben die Arbeit des zweimaligen World Press Photo Award-Gewinners in der Tradition sozial engagierter Dokumentarfotografie verwurzelt.

Das Herzstück der Ausstellung ist Wolfs 25 × 4,5 Meter große Wandinstallation "The Real Toy Story". Über 20.000 Billigspielzeuge "Made in China" bilden den Rahmen für Porträtfotos von Arbeiterinnen und Arbeitern in chinesischen Spielzeugfabriken. Michael Wolfs Serie "Tokyo Compression" mit Passagieren, die gegen die Fenster der überfüllten U-Bahn in Tokyo gepresst sind, zeigt ebenso eindrücklich die räumliche Enge in einer Mega-Stadt wie die architektonischen Hochhaus-Ansichten aus "Architecture of Density" und die Porträts hunderter Bewohner eines Wohnkomplexes in Hongkong, die auf knapp neun Quadratmetern leben aus der Serie "100 × 100".

Ingo Taubhorn führt am Samstag, dem 8.12. um 17 Uhr durch die Ausstellung "Life in Cities" im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg. Die Präsentation der fotografischen Arbeiten von Michael Wolf wird vom 17.11.2018 bis zum 3.3.2019 zu sehen sein.

Michael Wolf | Life in Cities
© Michael Wolf

Ute Mahler und Werner Mahler | Kleinstadt

Kleinstadt – ein leerer Platz, kaum ein Mensch, wenn, dann Alte oder Jugendliche, keine Sehenswürdigkeit, leere Innenstadtgeschäfte, langsamer Verfall, im günstigen Fall der Charme des Morbiden – man kommt hier nur zufällig vorbei und fragt sich: Wer ist hier, wenn ich nicht da bin und warum? Die bis heute gültige Definition der Kleinstadt des Kaiserlichen Statistischen Amtes (!) von 1887 nennt 5.000 bis 20.000 Einwohner als ihr demografisches Merkmal.

Nach den Monalisen der Vorstädte (bis 2010), Wo die Welt zu Ende war (bis 2012) und seltsame Tage (bis 2014) wählten sich Ute und Werner Mahler die Erkundung der Kleinstadt als viertes gemeinsames Projekt. Seit 2015 bereisen sie Deutschland mit kleinem Wagen und großer Kamera und einem Vorrat an SW-Planfilmen, auf der Suche nach Bildern, die die Stimmung, das Lebensgefühl, den Geist dieser Orte dokumentieren. Ihre lakonisch präzisen Bilder fixieren die Zeit und den Ort. Sie erfassen die Idee einer Kleinstadt, die sich aus den Bildern vieler Kleinstädte zusammensetzt, von Bad Gandersheim über Lebach bis Zörbig. Die Zukunft der kleinen Städte entscheidet sich in den nächsten Jahren. Die Zukunft sind die Jungen, wenn sie gehen, stirbt die Kleinstadt.

Das Buch "Kleinstadt" von Ute Mahler und Werner Mahler ist 2018 bei Hartmann books erschienen.

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© Ute & Werner Mahler

Hans-Christian Schink | Hinterland

Nach vielen Jahren intensiver Reisetätigkeit für verschiedene fotografische Projekte habe ich 2013 damit begonnen, wieder verstärkt in meiner heimatlichen Umgebung zu arbeiten. Die Serie "Hinterland" ist der Versuch, eine Kulturlandschaft zu erkunden, in der ich inzwischen selbst lebe. In gewisser Weise ist das eine Rückkehr zu meinen fotografischen Anfängen, nicht zuletzt verbunden mit der Frage, wie sich mein Blick auf dieses eigene Umfeld im Laufe der Zeit verändert hat.

Die Präsentation als Facebook-Video: Bitte hier klicken.

Die Präsentation als YouTube-Video: Bitte hier klicken.

Hans-Christian Schink | Hinterland
© Hans-Christian Schink

Fatih Kurceren | Pithead, Autobahn von Mazedonien und T.C

Fatih Kurceren´s Bildserie "Pithead" wurde im Zeitraum von 2011-2014 erstellt und versucht die Emscherregion als einen Ort wahrzunehmen, an dem sich Identitäten und fest gefügte soziale Strukturen auflösen. Seit mehr als 150 Jahren wird die Region zwischen Ruhr und Lippe von Einwanderung und dem Zusammentreffen vielfältiger Kulturen geprägt. Auch nachdem die Schwerindustrie ihre Bedeutung und die Region ihre Anziehungskraft für Arbeitsmigranten verloren hat, ist ihr multikultureller Charakter erhalten geblieben. Fatih Kurceren – selbst ein Zugewanderter - richtet seinen unvoreingenommenen Blick auf die Region und ihre Bewohner. Dazu bewegt er sich an den unscharfen Rändern einer Gesellschaft, deren Mitte ebenso unklar erscheint, wie die Fragen nach ihren Normen, nach ihrem Innen und Außen sowie nach dem, was ihr fremd und eigen ist. Es sind die Menschen selbst, die in den Mittelpunkt gesetzt werden und die in beiläufigen Inszenierungen und Beobachtungen als diejenigen betrachtet werden, die ihr Selbst und ihre Umgebung von Moment zu Moment neu erschaffen.

Die Serie "Autobahn von Mazedonien" versucht mit Hilfe einer fotografische Vermessungstechnologie - Google Street View - Auswanderungs- und Vertreibungsprobleme zu reflektieren. Die Überwachungsfotografie oder CCTV sind ohne Gefühl und folgen dem gleichen Prinzip wie Drohnen in der elektronischen Kriegsführung. Emigration oder Vertreibung plagen nicht nur die Menschheit, solange wir daran denken können. Ethnische Probleme, Naturkatastrophen, Kriege und begrenzte Ressourcen zwingen Menschen unaufhörlich, ihre Umwelt zu verlassen auf der verzweifelten Suche nach dem Überleben.

Massengräber sind Orte der Gräueltaten, der dunklen Seite des Menschseins. Die gefundenen Überreste der Verstorbenen werden gesichert und untersucht, um die Identität der massakrierten Opfer wiederherzustellen. Fatih Kurcerens Serie mit dem Arbeitstitel "T.C", einer Abkürzung für Republik Türkei, zeigt eine archivarische Sammlung der in den letzten Jahren ermordeten Frauen. Als Gegenüberstellung stehen Porträts von Frauen, die damals in der türkischen Gesellschaft ein weibliches Rollenbild verkörperten. Die Zahl der von ihren Ehemännern/Familienmitglieder ermordeten Frauen hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Diese Arbeit versucht eine gesellschaftliche Debatte in Gang zu setzen, um eine Erinnerungskultur zu kreieren.

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Oben: aus der Serie "T.C" / Unten: aus der Serie "Pithead" © Fatih Kurceren

Isadora Tast | Reaching Hollywood

"Reaching Hollywood" ist eine fotografische Arbeit, die an drei aufeinander folgenden Reisen nach Los Angeles entstanden ist und sich mit Schauspielern in Hollywood beschäftigt.

Wichtig war es mir bei der Auswahl der Schauspieler und Schauspielerinnen ein Potpourri verschiedener Alternsgruppen und Arbeitsbereiche, um ein realistisches Bild dieses Berufs in Hollywood zu zeigen. So wie 98 Prozent von ihnen dort leben. Sie kämpfen. Sie stellen sich vor. Sie haben einen gewaltigen Konkurrenzkampf. Sie sind leidenschaftlich. Sie richten sich nach Absagen wieder auf. Sie kapitulieren vielleicht. Sie sind vielseitig. Sie haben andere Jobs, um ihren Unterhalt zu verdienen. Sie sind eitel. Sie sind idealistisch. Vielleicht haben sie auch Erfolg und vielleicht können sie auch komplett davon leben, - aber sie sind keine A-Promi-Stars.

Ich zeige Menschen, die viel dafür geben, um ihren Traum erfüllen zu können. Dabei ist mein Blick auf die Schauspieler respektvoll und freundschaftlich. Den von mir fotografierten 69 Schauspielern und Schauspielerinnen habe ich Zitate beigefügt. Es sind von mir ausgewählte Sätze aus Interviews, die ich mit ihnen vor Ort auf Tonband geführt habe. Vieles ist übertragbar. Wie laufen die Castings ab? Wie fühlen die sich an? Wie geht man mit Ablehnung um? Wie macht man auf sich aufmerksam? Was bedeutet der Beruf? Was macht man, um finanziell über die Runden zu kommen? Wie wird man behandelt?

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© Isadora Tast

Sabine Schründer | Pavilion

Die Suche nach Sinn, der Wunsch nach Bewusstseinserweiterung und Spiritualität sind Teil eines westlichen Trends, der hier zum Ausgangspunkt meiner künstlerischen Recherche wurde. Auf den Spuren jahrhundertealter Philosophien und Meditationspraktiken entstanden während zwei längerer Artist–in–Residence-Aufenthalten Aufnahmen in Kerala, die einem vorgefassten Konzept bewusst entsagen. In der Interaktion und Begegnung mit der fremden Kultur sind meditative Bilder entstanden, die von Wahrnehmung und Erfahrung an der Grenze zwischen Selbst und Welt erzählen.

Die Präsentation als Facebook-Video: Bitte hier klicken.

Die Präsentation als YouTube-Video: Bitte hier klicken.

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© Sabine Schründer

Richard Reisen | Die Bändigung der undisziplinierten Bilder

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit den editorischen Anwendungen für die fotografische Literatur oder dem Photobuch. Das Medium ist eine Massage für die Bilder und ihre Autoren. Das Zusammenspiel der Anwendungsmaßnahmen und Illuminationstechniken kann Subtext oder Übergriffigkeit bedeuten. Der Übergang in das Medium Buch scheint mir meistens von Verlustängsten der Autoren begleitet zu sein und das nicht nur weil man ihnen in die Tasche greift.

Alle Anwendungen bis zum fertigen Buch unterliegen in der Regel industriellen Fertigungstechniken wie dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen des Publikumsgeschmacks. Können sich Bilder in diesem Zusammenhang befreien oder nur neu konnotieren? Ein Vortrag aus der Sicht des Buchgestalters und Herstellers.

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© Sabine Schründer

Joachim Hildebrand | Wild West - Das asphaltierte Paradies

Wie könnte man sich einem amerikanischen Mythos besser nähern als per Roadtrip. Ich bereiste die sieben Bundesstaaten des amerikanischen Südwestens, in denen der Wilde Westen geografisch und auch in unserer Vorstellungswelt verortet ist. Der Titel der Serie und des gleichnamigen Buchs erzeugt unweigerlich Bilder voller Klischees und Stereotypen vor unserem geistigen Auge. Doch heute, da die Wildnis von der Zivilisation verdrängt ist, finde ich im ehemaligen Grenzland der amerikanischen »Frontier« ganz andere Bilder. Mein Blick richtet sich auf unscharfe Ränder, auf Gegensätze, Grenzen und Übergänge: von Architektur zu Natur, von Urbanität zu Landschaft. Die Archetypen des amerikanischen Westens sind zu Abziehbildern geworden. Die für das Selbstverständnis der USA zentralen Mythen des Wilden Westens und des »manifest destiny« werden fotografisch dekonstruiert. Trotzdem bleibt der Westen für mich als visuelles Abenteuer faszinierend.

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© Joachim Hildebrand

Dr. Angela Hildebrand | In der Dunkelkammer der DSGVO

Nicht nur bei Fotojournalisten und PR-Fotografen, sondern auch im Bereich der künstlerischen Fotografie hat die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für viel Aufsehen und Aufregung gesorgt. Sie betrifft das Dauerthema Straßenfotografie, aber natürlich auch Porträts und sonstige Fotografie mit Menschen. Die DSGVO hat aber auch Auswirkungen auf das Marketing der Fotografen (Website und Versand von Ausstellungsankündigungen). Weiterhin zwingt sie den Fotografen zu internen Maßnahmen (Verarbeitungsverzeichnis, technisch-organisatorische Maßnahmen samt Dokumentation, Abschluss von Auftragsverarbeitungsverträgen). Der Vortrag soll einen Überblick über die betroffenen Bereiche und – soweit in diesem Stadium möglich – Hilfestellung zum Umgang mit den neuen Anforderungen geben

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© Dr.Angela Hildebrand

Meike Nixdorf | Über die Wahrnehmbarkeit von Raum und Veränderung

Meike Nixdorf hat während ihres dreijährigen Aufenthalts in New York an der School of the International Center of Photography Fotografie und Video studiert sowie später Psychologie an der Freien Universität Berlin. Sie stellt ihre Arbeiten international aus, häufig im US-amerikanischen Raum. Ihr Schwerpunkt liegt auf landschaftsbasierten Arbeiten, die sich mit der visuellen und räumlichen Wahrnehmung unserer Umgebung beschäftigen als auch ihrer Transformation in und durch die Abbildung.

In ihrem Vortrag stellt sie ihre beiden Projekte "In the Orbit of El Teide" und "Your Earth Transforms" vor sowie ihren Zyklus von Videoinstallationen "The Gap of Time". Dabei spricht sie darüber wie unser Gehirn permanent und unbewusst fehlende visuelle Informationen ergänzt. Wie wir eine massive und beständige Bewegung wie die Hebung der Alpen nicht wahrnehmen. Und wie Licht und Bewegung unsere Wahrnehmung von Landschaft verändert und damit unsere Orientierung in und unser Verständnis von unserer Welt beeinflusst.

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© Meike Nixdorf

Amin El Dib | Body and Soul

… Narben und Brandmale auf nackter Haut an Armen und Beinen, Spuren von Einritzungen und Selbstverbrennungen. Wir sehen einen gezeichneten Leib, Verletzungen, die Spiegelungen innerer Seinszustände, Verfremdungen des Ichs bedeuten …

… In der Vergrößerung, der Konzentration auf die (Haut)Oberfläche, verbirgt sich der Wunsch zur Enthüllung, um zu dem zu gelangen, was dahinter liegen könnte. ….

… Dabei changiert das siebenteilige Tableau zwischen Gleich- und Ungleichgewicht …ein stetes Ausbalancieren, das dem Auge wenig Halt bietet und den Betrachter in verschiedene Ebenen eintauchen lässt. Die Aufnahmen sind wie ein gegenseitiges Abtasten von Fotograf und Modell, …

… In dem Akt der Selbstwahrnehmung und Selbstdarbietung vor der Kamera zeigt sich ebenso die Sehnsucht und das Verlangen nach Annahme, Berührung, Anrührung, …

… schonungslos lotet er, zugleich behutsam und sensibel jene Bildberührungen aus, so dass diese in der Unmittelbarkeit der Darstellung auch für uns als Betrachter konkret erfahr- und somit fassbarer werden. …

… El Dibs fotografische Aufzeichnungen sind von einer Dringlichkeit bestimmt, die in der ihr eigenen Prägnanz und Intensität Oberfläche und Farbe der Haut derart realistisch wiederzugegeben vermag, dass es beim Betrachten schmerzt. Die Körpernarben sind in der physischen aber auch psychischen Präsenz „eingebrannt“ – ins Bild, Auge, Gedächtnis. ….

… Dabei können die Narben sowohl von den Daseinsbrüchen als auch von einer Heilung erzählen. Es sind in Haut gegebene Übertragungen eines Innen nach einem Außen, ….

Franziska Schmidt, 2018.

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© Amin El Dib

Kurt Buchwald | Limes Mundi – Die Umkehrung der Sicht

"Kurt Buchwald hat als Bild- und Aktionskünstler schon früh einen medienkritischen Ansatz verfolgt, der sowohl die Mechanismen der Bildherstellung, als auch der Bildwahrnehmung und der Wirkung von Fotografie thematisiert und diese sowohl kritisch als auch ironisch hinterfragt.

In der Werkgruppe Bilder+Blenden (1990-2000), die den Störbilder der 80er Jahre folgt, experimentiert er mit der Verdeckung. Der Betrachter muss die fehlende Bildteile ergänzen. Bei der Porträtfotografie unterbricht die Blende, die vor der Kamera angebracht ist, den Zugriff auf die fotografierte Person.

In den Serien Im Kreis der Wahrnehmung (2001-6) und Im Kasten (2012) spielt er mit dem Ausschnitt, der Verdeckung und der Beleuchtung. Es entstehen magische Lichträume im Wechsel mit Strukturen und surreal anmutende Körperfragmente. Mit den Kippbilder (2013) verfolgt er einen performativen fotografischen Ansatz, der sich an der Bilddiagonale, und der Aktion Laufen-Fotografieren-Laufen orientiert.

Im Rahmen der Aktion Fotografieren verboten! (1988-2005) gründet Buchwald 1993 das Amt für Wahrnehmungsstörung und agiert mit subversiven Aktionen im öffentlichen Raum. 2005 entsteht die Röhrenpartei W.A.R.U.M.

Kurt Buchwald lebt und arbeitet in Berlin.

Die Präsentation als Facebook-Video: Bitte hier klicken.

Die Präsentation als YouTube-Video: Bitte hier klicken.

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© Kurt Buchwald

Karina-Sirkku Kurz | A body of work

Den menschlichen Körper durch die Fotografie in den Blick zu nehmen, ist so aktuell wie heikel. Die Kamera kann ihrem Objekt schmeicheln, oder als vermeintlich objektives Medium dessen Ungenügen hinsichtlich ästhetischer Idealvorstellungen behaupten.

Bei Karina-Sirkku Kurz ist die Kamera weder Schmeichler, noch Richter. Die Fotografin erforscht das Verhältnis von Menschen zu ihrem Körper und überführt dieses in Bilder poetischer Freiheit, die selbst körperliche Empfindungen wie Unbehagen oder Zärtlichkeit im Betrachter hervorrufen.

Die Arbeit UNGLEICHGEWICHT zeigt neben Menschen, selbstgefertigte Objekte, die assoziativ das Thema der Essstörung berühren. Ihr laufendes Projekt SUPERNATURE widmet sich der ästhetisch-plastischen Chirurgie.
(Text: Cora Waschke)

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© Karina-Sirkku Kurz

Stephanie Steinkopf | Vogelfrei und Manhattan – Straße der Jugend

Es sind Begegnungen mit Menschen, die mich prägen und es ist die Fotografie, die mir ermöglicht, mehr über das Leben zu erfahren. Meine fotografische Herangehensweise, bewegt sich entlang politischer und sozialer Themenfelder, die immer den einzelnen Menschen mit seinen inneren Konflikten und zwischenmenschlichen Beziehungen in den Vordergrund stellen. Ich tauche in andere Lebenswelten ein und ich setzte diese Erfahrungen in Bilder um. Die subtile Verunsicherung des Betrachters durch die Verschiebung von Realität und Fiktion ist mir ein Anliegen, um den Standort des Betrachters zu hinterfragen und damit seinen Blick auf Menschen.

Auf der Tagung der DFA präsentiere ich meine drei Arbeiten: In „Manhattan-Straße der Jugend“ portraitierte ich Menschen im Oderbruch, einer Region die nach dem Fall der Mauer 1989 von einem strukturellen Zusammenbruch geprägt war. Die Arbeit "Vogelfrei" thematisiert die steigende Zahl obdachloser Frauen in Deutschland aufgrund von psychischer Erkrankung. In meiner neuen Arbeit portraitiere ich eine besondere Frau Mitte 50, die aufgrund von Überarbeitung in Depression und Alkoholismus fiel.

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© Stephanie Steinkopf

Klaus Elle | Vollendete Natur

Die Arbeit „Vollendete Natur“ beschäftigt sich mit dem Verhältnis Mensch -Natur. Etwas genauer formuliert geht es wohl um Kooperation, um einen visuellen Dialog eines „natürlichen Bewusstseins“ mit unserem menschlichen Bewusstsein. ( Gewissermaßen sind wir Menschen ja verlängerte Arme der ewig formenden Natur, die aber im Maße ihrer bewussten Freiheit, ihrer scheinbar grenzenlosen Phantasie neue materielle Konstrukte gestaltet haben) Die Arbeit ist eher philosophischer Natur. Über zivilisatorisch geprägte Wald-Wiesen und Gestrüppfotografien (die ich natürlich selbst im Laufe der Jahre zu einem unbestimmten Zweck angefertigt habe), oder präziser, über deren aufgeblasene, gepixelten Bildstellvertreter habe ich meine Gedankenströme in Worten und zeichnerischen Gesten fließen lassen, um etwas zu erzeugen, dass ich erweitere ästhetische Erkenntnis nennen würde.

Irgendwie sind einige Bilder schön geworden. Harmonisch. Beruhigend. Erinnern mich an vergangene Bildwelten, spielen bewusst-unbewusst mit ästhetischen Mustern. In den Überzeichnungen schimmert mein Geist, geistert herum, sucht sich selbst, will wissen wohin die Reise geht und warum alles so geheimnisvoll bleibt und ist.

Was wären wir denn nur ohne die Kunst? Ohne diesen Notausgang im Klassenzimmer der logischen Begründungen?

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© Klaus Elle

DFA press materials:

Livestream Archive | Winter 2018

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(in German) Kurt Buchwald | Limes Mundi Sabine Schründer | Pavilion Hans-Christian Schink | Hinterland

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