Ruprecht Skasa-Weiß - ein persönlicher Nachruf
Mit Ruprecht Skasa-Weiß hat Fotografie, Film, Theater, Literatur und Psychologie nicht nur in Stuttgart eine mächtige Stimme verloren. Am 12. Juli durfte er noch seinen 90. Geburtstag feiern, einen Monat später, am 16.August, verließ er uns…
Wer war dieser Ruprecht Skasa-Weiß? Dem Sohn von Eugen Skasa-Weiß, einem Literaten und Meister des klassischen Feuilletons, war Sprache und Neugierde in die Wiege gelegt. Er wuchs in der Nähe von München auf, studierte Germanistik, Philosophie und Psychologie. Seine Stimme prägte über Jahre das Feuilleton der „Stuttgarter Zeitung“. Seine kultivierte, leicht gefärbte Heimatsprache legte er nie ab…
Er war Sprachkünstler - in seinen kleinen Bändchen „5 Minuten Deutsch“ attackierte er Worthülsen, Füllwörter und falschen Sprachgebrauch - er wollte Augen öffnen…
Ein sehr persönlicher Nachruf? Ja, denn als ich 1984 zum ersten Mal in unserer alten GDL meine Bilder präsentierte, kam Skasa-Weiß auf mich zu und wollte mein Bild als Beweis gegen Theorien des Festredners… „Was in der Vortragsrede als Manko behauptet war, nämlich daß Fotografie ‚nur‘ die Oberfläche der Wirklichkeit erfasse, verkehrte sich in der Aufnahme des Stuttgarters Wolfram Janzer zum delikat-aparten Vorzug. Die GDL-Gemeinde fand den ‚fast taktilen Reiz‘ dieser gestreng abstrahierenden Fotos fesselnd genug, um Janzers Bewerber-Präsentation einhellig zu applaudieren“. Mir war er fortan Mentor. Skasa-Weiß war 1974 in die GDL berufen worden und begleitete sie über Jahre als gestrenger Beobachter und Publizist… Corinna Weidner setzte ihm 2024 im Podcast #3 der DFA ein Denkmal: „Ruprecht Skasa-Weiß - die legendäre Streitkultur der 1970er und 1980er Jahre“. Ein Feuerwerk des 88 jährigen Sprachkünstlers, der ohne PunktundKomma diese Zeit wortgewaltig wieder auferstehen lässt… seine Sprachlust steckt an… ein Dokument seiner Sprachwucht und seiner Nähe zur GDL/DFA - ein „Must“, ihn zu erleben…
Ich bin traurig. Am 10.6. hatte mich Julia Schröder, Skasas Frau, ermutigt, ihn im Pflegeheim anzurufen, wo er nach einem Sturz betreut wurde… hab‘s nun leider verpasst… ich schick ihm ehrende Gedanken, wo immer er auch sein mag…
herzlich
Wolfram Janzer