✝ Timm Ulrichs (1940-2026)
Timm Ulrichs, geboren 1940, war ein spontaner, überraschender und künstlerisch stets überzeugender Gast der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA) und ihrer Jahrestagungen in Leinfelden-Echterdingen und Hamburg. Seit 1988 war er auch ihr berufenes Mitglied. Meist trat er spontan und unangemeldet in seine Erscheinung. In seinen aktiven Jahren meist bepackt mit neuesten Katalogen und aktuellen Drucksachen, griff er mit eigenen, ungewöhnlichen Diskussionsbeiträgen in die laufenden Debatten ein – um ebenso unbemerkt, wie er erschienen war, auch wieder zu verschwinden. Doch Timm Ulrichs war da! Er wurde bemerkt. Mit seinen Beiträgen in Wort und Bild hat er die Arbeit der Akademie bereichert.
Ein bleibendes Beispiel dafür sind etwa seine Checked Baggages, Röntgenfotos 1975/1987 vom Innenleben durchleuchteter Reisekoffer zufälliger Passagiere des Flugplatzes Hannover-Langenhagen. „Timm Ulrichs benutzt die Fotografie wie ein Klappmesser – zum schnitzen, durchstoßen, aufspießen, spiegeln, blenden, markieren…“, schrieb Jörg Boström in seinem Essay über den Kollegen 1989 im Katalog der DFA-Ausstellung „Dokument und Erfindung – Fotografien aus der Bundesrepublik Deutschland 1945 bis heute“. Fotografie war für Timm Ulrichs Medium und Gegenstand in Eins. Unvergessen seine Landschafts-Epiphanien, 1972/1987: Cibachrome-Fotos von Diapositiv-Endstücken. Und wie in der DFA, so war er auch ständiger Gast der Bielefelder Colloquien Neue Poesie der Jahre 1978 bis 2003. Auch hier überraschte er sein Publikum stets mit Werken im Zwischenreich von Wort und Bild und ihrer besonderen Wechselwirkung. Bezeichnend auch, dass ihm die Tagungsleitung als besondere Geste und programmatisch stets auch „das letzte Wort“, erteilte, den letzten aller Vorträge am letzten Abend der Tagung. Nun ist, am 29.April dieses Jahres, Timm Ulrichs in Hannover gestorben.
Gottfried Jäger
Bielefeld, 05.06.2026