Axel M. Mosler fotografierte Salvador Dalí – eine außergewöhnliche Begegnung
Zu sehen in „Lokalzeit aus Dortmund“ im WDR am Donnerstag, 30. Juli 2026, zwischen 19:30 und 20:00 Uhr
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(nach einem Interview zwischen Axel M. Mosler und Claude W. Sui am 29.07.2026)
Als 21-jähriger Fotostudent machte sich Axel M. Mosler 1974 mit seinem VW Käfer auf den Weg nach Cadaqués in Katalonien, nicht weit von Port Lligat, wo Salvador Dalí lebte. Fast zwei Tage hielt er sich in der Nähe des Hauses auf, in der Hoffnung, einen Blick auf den berühmten Künstler zu erhaschen. Schließlich fasste er seinen Mut zusammen, klingelte an der Haustür – mit dem Gedanken, dass man ihn schlimmstenfalls wieder wegschicken würde.
Doch es kam ganz anders.
Eine freundliche Haushälterin öffnete ihm die Tür und führte den jungen Fotografen zu seiner großen Überraschung in den Garten. Dort saß Salvador Dalí mit seiner damaligen Muse, der französisch-britischen Sängerin, Malerin, Moderatorin, Schauspielerin und Model Amanda Lear auf einer Bank. Beide waren gerade damit beschäftigt, ein Plakat zu entwerfen.
Dalí fragte Mosler auf Englisch, aus welchem Land er komme. Als Mosler schließlich etwas schüchtern fragte, ob er ihn fotografieren dürfe, willigte Dalí ohne Umschweife ein.
Die anschließende Fotosession wurde zu einer Begegnung mit einem ganz anderen Dalí, als ihn die Öffentlichkeit kannte. Während der Künstler sich in der Öffentlichkeit gern exzentrisch und in dramatischen Posen inszenierte und das Bild vom „Genie zwischen Genie und Wahnsinn“ geradezu kultivierte, erlebte Mosler ihn fernab des Rampenlichts als zurückhaltend, freundlich und höflich – ohne jede Starallüre.
Dalí war längst eine mediale Ikone und wusste seine öffentliche Erscheinung virtuos einzusetzen. Mit seinem markanten, nach oben gezwirbelten Schnurrbart und seinen spektakulären Auftritten wurde er zu einem der ersten Künstler, die sich selbst als mediales Ereignis inszenierten. Lange vor dem Zeitalter der sozialen Medien verstand er es meisterhaft, Kunst, Performance und Selbstvermarktung miteinander zu verbinden.
Umso bemerkenswerter ist der Moment, den Axel M. Mosler mit seiner Kamera festhalten konnte.
Während der Fotosession sagte der junge Fotograf zu Dalí: „Señor Dalí, can you look like Dalí?“ Daraufhin schob Dalí seine Brille nach oben und riss die Augen weit auf. Genau dieser Augenblick wurde von Mosler festgehalten. Von dieser Pose existiert nur diese eine Aufnahme.
Doch die Begegnung war damit noch lange nicht beendet. Dalí bestimmte den Ablauf der Fotosession auf seine ganz eigene Weise. Zunächst teilte er Mosler mit: „You have now 15 minutes more time.“ Der junge Fotograf nutzte die ihm verbleibende Zeit intensiv und fotografierte mit seiner Mittelformatkamera im Format 6 × 6 cm weiter.
Nach Ablauf der 15 Minuten gewährte Dalí ihm weitere zehn Minuten, anschließend noch fünf Minuten und schließlich sogar eine letzte Minute. Mosler fotografierte im Garten und im Haus – darunter auch das berühmte rote „Dalilips Sofa“, das von Dalí selbst entworfen worden war.
Erst als auch die letzte Minute verstrichen war, beendete Dalí die ungewöhnliche Fotosession: Er müsse nun zum Mittagessen gehen. Die großzügig gewährten Zeitverlängerungen hatten offenbar vor allem eines bewirkt: Sie überbrückten die Wartezeit, bis das Mittagessen aufgetragen wurde.
Zehn Rollfilme – die Hälfte seines mitgebrachten Filmvorrats – hatte Mosler zu diesem Zeitpunkt bereits belichtet.
Die außergewöhnlichen Porträtaufnahmen von Salvador Dalí schlummerten anschließend mehr als ein halbes Jahrhundert in Axel M. Moslers Archiv. Bereits in der Ausgabe 3/1989 des „art Kunstmagazin“ mit dem Titel „Salvador Dalí – Was bleibt von seiner Größe“ war eine Aufnahme Moslers veröffentlicht worden. Dabei wurde Dalí nicht nur als bedeutender Künstler gewürdigt, sondern auch kritisch als Mensch und Künstler hinterfragt. Doch erst durch das Gespräch mit einem Freund, der kaum glauben konnte, dass Mosler Dalí persönlich begegnet war und ihn fotografiert hatte, kam der entscheidende Anstoß: Er empfahl ihm, die Aufnahmen dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, insbesondere der dortigen fotografischen Abteilung, zu zeigen.
Die Reaktion war unmittelbar begeistert. Zwei Fotografien wurden daraufhin bereits im Format 50 × 60 cm angekauft, weitere Ankäufe sollen folgen.
Die Faszination für Salvador Dalí begleitet Axel M. Mosler schon seit seiner Studienzeit. Inspiriert von Dalís Autobiografie „So wird man Dalí“ setzte er sich bereits als Student im Rahmen einer kunsthistorischen Arbeit intensiv mit dem Leben und Werk des Künstlers auseinander. Das Faszinosum Dalí ist für ihn bis heute lebendig geblieben.
Nun erzählt Axel M. Mosler im WDR von dieser außergewöhnlichen Begegnung und den Fotografien, die mehr als 50 Jahre in seinem Archiv verborgen waren.
Die Deutsche Fotografische Akademie gratuliert ihrem Ehrenmitglied Axel M. Mosler zu dieser besonderen Wiederentdeckung und freut sich, dass seine Fotografien von Salvador Dalí nun einem breiten Publikum vorgestellt werden.
Donnerstag, 30. Juli 2026 | zwischen 19:30 und 20:00 Uhr | „Lokalzeit aus Dortmund“ | WDR